Tunesien

Der kurze Flug von Berlin bis Monastir ist angenehm. Durch das Essen, etwas lesen und die Einreiseformalitäten vergeht die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes wie im Fluge. Natürlich hat man auch diesmal wieder verlangt, dass ich Kamera und Computer bei der Sicherheitskontrolle einschalte. Gut, dass ich den Akku für die Kamera im Handgepäck hatte.

Ein Gesicht der Mitreisenden kommt mir bekannt vor, leider kann ich es nicht zuordnen. Erst im Bus zum Hotel, da sie auch das gleiche Hotel gebucht hat, frage ich sie. Es stellt sich heraus, dass sie in einer Nebenstraße meiner Wohnung als Verkäuferin tätig ist, dort habe ich sie also gesehen. Im Hotel angekommen ist es für uns höchste Zeit, zu Abend zu essen, denn es ist schon nach 21 Uhr. Das Essen ist relativ gut und der Speiseraum sauber, aber riesig. In einem Wort: Massenabfertigung.
Der Strand in Hammamet, gelegen an einer Bucht, ist sauber und schön. Das Wasser ist klar und warm genug, um zu baden. Die Temperaturen sind trotz des Oktobers um 30 Grad Celsius um die Mittagszeit. Die Tage gehen schnell vorbei, wenn man faulenzt oder liest.

 

Wenn Mädchen am Strand spazieren gehen, ob allein, zu zweit oder mit Kindern, werden sie ständisch und sofort von Einheimischen angemacht. Auch im Hotel, wo die Bedienung fast ausschließlich aus Männern besteht, ist ständiges Baggern zu sehen.

Eine Tour nach Hammamet, etwa 6 Kilometer Fußmarsch am Strand und zurück etwa 7 Kilometer, lassen das Gesamtbild der Bucht, der Strandstraßen und der Menschen auf mich wirken.

Hammamet selbst kommt von Hammam, das türkische Bad, und ist eine Kleinstadt mit einer Art Fort, von dem man eine herrliche Aussicht hat. Die Medina (Innenstadt) schließt sich an und die Marktleute und Tourismuslöwen bieten Teppiche, Lederartikel, Keramik, Ansichtskarten und Lebensmittel an. Hier und da sieht man Parfüme, Zuckerwaren oder Kleidungsstücke. Wie schon aus anderen Teilen der Welt bekannt, sehe ich beim Eintauchen in die tieferen Geschäfte, rohen Fisch auf Holzlatten, Gewürze, frisch geschlachtete Hammel, an denen sich bereits die Fliegen weiden, und natürlich Köpfe allen möglichen Getiers, Rinder, Fische, Schafe, Ziegen außer Schweine, denn das verbietet der Islam.

Die Religion der gesamten Region ist der Islam. Die Frauen laufen, vor allem im Nordteil Tunesiens kaum noch verhüllt, Frauen haben nunmehr auch Wahlrecht und müssen nicht mehr des Mannes Sklavin sein. Trotzdem sind, genau wie in anderen Teilen der dritten Welt die Männer als Zimmerservice, bei der Bedienung usw. die einzigen Bediensteten.

An einem Morgen, kurz vor dem Start meiner Safari in den Süden und an den Rand der Sahara, treffe ich einen etwa 65 jährigen Herren, der sehr agil und munter wirkt. Er freut sich, einen Begleiter für die Safari gefunden zu haben, wobei ich mir noch nicht so sicher bin, weil es andere Reisegesellschaften gibt. Er ist mir sehr sympatisch und es stellt sich heraus, dass der Herr aus Klagenfurt ein Ironman ist. Beim letzten Marathon in Berlin war er natürlich auch dabei. Leider bestätigt sich meine Vermutung und wir fahren in getrennten Bussen.

 
In El Djem befindet sich ein relativ gut erhaltenes Amphitheater der Römer. Es ist ein beeindruckender Bau. 

Etwas weiter südlich gibt es etwas von Tunesiens Industrie zu sehen, Ölraffinerie, Olivenölproduktion, ein Phosphat- und Zementwerk. Alles ist nicht sehr umweltfreundlich, aber klein. Die Vegetation im Süden verändert sich auch allmählich, die Abstände der Olivenbäume wird größer und der Boden sandiger. 
Noch weiter südlich beginnt Steppe, hier können nur noch Nomaden ihre Herden weiden und zum Teil lebt die Bevölkerung in Höhlenhäusern, wenn man in die Felswüstenregion kommt.

 
Weiter südwestlich beginnt die Sahara. Der Boden wird gelb, feinsandig und ist schon in der Steppenvorlandschaft überhaupt nicht mehr in der Lage, Wasser aufzunehmen. Bei einem Regenguss bilden sich sofort größere Wasserströme, die alles mit sich fortschwemmen. Die an Wasserarmut gewöhnten Pflanzen bekommen nur einen winzigen Bruchteil des gefallenen Regens und im selben Moment scheint wieder sie Sonne und der Boden ist trocken und staubig. 

Der Sand der Sahara selbst ist so fein, dass er verweht, wenn man ihn durch die Finger rieseln lässt. Es erscheint uns wie ein Wunder, wenn wir sehen, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt an diese extreme Trockenheit und Hitze angepasst hat. Es gibt in Südtunesien giftige Schlangen und Skorpione, auch Spinnen und andere Reptilien und Insekten. Ein Gang durch diese Steppenlandschaft ist keinesfalls ungefährlich.
Ein guter Freund des Menschen dagegen ist das Kamel oder Dromedar. Es gibt nur noch domestizierte Kamele, die als Nutztiere für einen Ritt durch die Wüste dienen. In jüngster Zeit verdienen sich viele am Transport der Saharahungrigen Touristen, die meist nur einen winzigen Bruchteil der Sahara überhaupt zu sehen bekommen.

Die Touristen haben auch dafür gesorgt, dass am Rande der größten Wüste der Welt, erstklassige Hotels entstanden, die nichts an Luxus entbehren lassen.

Ich treffe den Ironman am Abend wieder und wir plaudern etwas. Zum Baden im Swimmingpool habe ich im Moment keine Lust. Wir treffen uns gemeinsam zum Abendessen und gehen dann gemeinsam zum Pool. Nun ist es bereits dunkel und ich bekomme große Lust etwas zu schwimmen. Es ist einfach phantastisch in diesem von Palmen und sauberen weißen Hotelwänden gesäumten Swimmingpool zu baden.
Am nächsten Morgen geht es durch ein Chott, welches nach dem Regen mit Wasser gefüllt ist. Es ist Salzwüste, lebensfeindlich und öde. An der Straße werden gefärbte und reine Salzkristalle angeboten.

In der nächsten Oase können wir einen Zoo besichtigen, der von einem lustigen Touristenführer Interessantes über Skorpione, Schlangen und dem Wüstenfuchs bietet.

Die Fahrt zurück nach Norden wird an einem Wadi durch die heftigen Regenfälle unterbrochen. Ein Traktor zieht unseren Kleinbus auf die andere Seite. Viele Fahrzeuge stauen sich in der Reihe und einige sind vom Weg abgekommen und stecken nun fest.

Die Wegränder zieren Kaktuspflanzen mit Feigen, die gerade reif sind. Selbst die stacheligen Blätter der Kakteen werden von den Kamelen gefressen, denn sie sind sehr saftig.

Meine Eindrücke von der Produktion in der dritten Welt werden durch die Art und Weise der Teppichherstellung erweitert. Es ist erstaunlich, wie lange eine Frau an einem Teppich arbeitet und welch riesige Mengen an Teppichen in Tunesien angeboten werden.

Entgegen meinen Erfahrungen in Paris kann ich hier erfreulicher Weise feststellen, dass meine Französischkenntnisse nicht völlig im ewigen Sumpf des Vergessens verloren sind und benutze sie dazu, um mit der Zweitsprache des Landes (sonst wird arabisch gesprochen) durch die engen Gassen zu kommen. Durch den hohen Anteil an deutschen Touristen wird in den entsprechenden Gebieten sehr gut Deutsch verstanden. Drittwichtigste Sprache des Landes ist sonst Englisch, vor den gleichberechtigten Sprachen Deutsch, Spanisch... Dass Deutsch, entgegen den staatlichen Vorgaben so weit verbreitet ist, ist ein weiteres Beispiel für die Macht des Kommerz.

Tunis, die Hauptstadt des Landes, mit mehr als 1,8 Millionen Einwohnern, beherbergt 20 Prozent der tunesischen Bevölkerung. Die Stadt ist anderen europäischen Großstädten angelehnt. Typisch tunesisch ist die Medina und die Souks, die Avenues könnten überall sein, nicht aber die Vororte, wie Karthago oder Sidi Bou Said.

In Karthago sieht man die Reste des letzten Karthago in einer Art archeologischem Freilandmuseum. Vom punischen Karthago ist fast nichts geblieben, Reste vom römischen Karthago wurden freigelegt und das byzantienische Karthago existiert nur noch in Form einiger Säulen usw. Das heutige Karthago ist Villensiedlung der Reichen und Sitz des Präsidenten.

Sidi Bou Said glänzt durch seine schönen weißen Häuser und den blauen Toren. Viele Touristen zieht es hierher. Es ist ein Vorzeigedorf und erinnert an die Einflüsse der hier lebenden und gelebten Künstler. Hier kaufe ich ein weiteres einfaches Ölgemälde für meine Sammlung.

Während des Rückfluges in der Nacht, bei klarem Himmel, kann man öfters kleinere Lichthäuffchen sehen - Städte, die man vielleicht ziemlich gut kennt und die nun zusammen mit anderen Städten aus riesiger Entfernung von Oben wie beim Betrachten einer Landkarte zum Träumen anregen.

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letzte Änderung am: Sonntag, 13. Februar 2000