Kreta

Einen Flug direkt von Berlin nach Heraklion haben wir nicht mehr bekommen, deshalb müssen wir von Dresden fliegen. Vielleicht ganz interessant, da ich von Dresden noch nicht geflogen bin. Einen Anschlussflug von Berlin nach Dresden gibt es nicht, deshalb muss ich mit dem Zug fahren. Dafür genehmige ich mir eine Fahrt erster Klasse, man macht ja nicht so oft Urlaub, außerdem habe ich in letzter Zeit kaum die Möglichkeit gehabt, Geld auszugeben oder Urlaub zu machen, dafür aber gut verdient...

Nun ist es das Osterwochenende, wo viele frei haben und ich beurlaube mir noch zwei Tage davor und danach, so dass ich eine Woche nach Kreta fliegen kann. Das Osterfest wird in Kreta erst eine Woche später gefeiert als in Deutschland.

Sandra fliegt von Düsseldorf nach Dresden und dann fliegen wir gemeinsam weiter nach Heraklion, auf Kreta.

Der Flughafen in Dresden hat zwei Terminals und das ist schon wieder Grund für Aufregung. Diese Terminals sind so voneinander getrennt, dass man aus dem einen Gebäude heraus und draußen entlang laufen muss, um zum anderen Terminal zu gelangen. Nun habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, meine dicke Jacke, die ich in der Heimat benötige, um bei Regen und Sturm nicht zu frieren, in die Reisetasche zu packen, bevor ich mein Gepäck abgebe. Der Grund meines Empörens ist nun die Tatsache, dass man an dem einen Terminal das Gepäck aufgibt und am anderen Terminal abfliegt, also im Hemd durch die bitterkalte Dresdener Regenluft laufen muss, wenn man seine Gewohnheit nicht ablegen möchte.

Die Sachsen sind schon ein eigenartiges Volk, das beweißt auch die eigenartige Unruhe und Hektik beim Einchecken und abfliegen. Auch der außergewöhnliche Dialekt brennt etwas im Ohr.

 
In Heraklion angekommen wechsle ich etwas Geld auf dem Flughafen, auch um Trinkgeld geben zu können. Der Transfer zum Hotel in einem kleinen Ort etwas weiter nordöstlich verläuft reibungslos und man bekommt einen ersten Eindruck von der bezaubernden Landschaft.

Das Hotel sieht ganz schick aus, die Bedienung an der Rezeption ist wunderschön und freundlich, aber leider nicht in der Lage uns das gebuchte Hotel mit Meerblick zu verschaffen, auch nicht, wenn wir uns noch so sehr über die Balkonbrüstung lehnen. Eigentlich hält man sich ja so und so selten im Hotel auf, aber ich mag es nun mal nicht, wenn man mich verscheißern will, also mache ich Rabatz. Ich hätte vielleicht nichts gesagt, wenn man mir gleich an der Rezeption gesagt hätte, was Phase ist, aber man kann es ja mal versuchen, vielleicht traut sich der Gast ja nichts zu sagen oder er merkt es überhaupt nicht... Ich weiß, dass viele sich nicht beschweren, und weil ich weiß, dass man diese Leute ausnutzt, deshalb kann ich darüber nicht hinwegsehen und muss wenigstens darauf aufmerksam machen, was passiert. Am nächsten Morgen bekommen wir ein neues Hotelzimmer angeboten, aber ich verzichte, da ich nicht noch einmal umziehen möchte.

Das Frühstück ist ganz gut, es gibt auch "Armer Ritter", das esse ich ganz gern und auch sonst viel Obst usw. das Wetter ist herrlich und läd zum Spaziergang ein. Den Spaziergang machen wir in Richtung Hersonissou. Die Landschaft ist mit der deutschen vergleichbar ähnlich. Es ist sommerlich warm und überall wächst und gedeiht das Pflanzenreich. Wir sehen eine alte Mühle, die keine Flügel mehr hat. Einige Bäume tragen Früchte, die wir nicht kennen. Die Früchte sehen wie kleine grüne Paprikaschoten aus.
Hersonissou ist eine Kleinstadt, die vom Tourismus geprägt ist. Sie liegt am Meer und hat schicke Restaurants mit Seeterrassen. Viele Geschäfte ziehen sich entlang der Hauptstraße. Überall herrscht reges Treiben. Die Straßen sind voll von Autos und kleinen Motorrollern. Die meisten Autos sehen ziemlich mitgenommen aus. Wenn man mal ein schönes, auch sauberes Auto sieht, ist es meist ein Mietwagen.

Auch wir wollen uns einen Mietwagen bestellen. Das Angebot ist groß und die Versicherungsmöglichkeiten vielfältig. Wir mieten uns einen Opel Corsa fast fabrikneu mit weißer Farbe, gut bei dieser Hitze. Tagsüber ist es sehr heiß, aber abends wird es noch sehr kühl, so dass man abends immer eine Jacke tragen muss. Nach der Anmietung des Wagens für ganze 5 Tage gehen wir noch etwas zu Abend essen und spazieren danach noch etwas am Strand entlang.

Bei voller Sonne am Strand spazieren zu gehen und das Rauschen der Wellen zu hören, während der Wind einem ins Gesicht bläßt, die Freiheit der Natur und deren Kräfte zu verspüren, ist immer wieder erholsam, entspannend und phantastisch.
Die erste Fahrt mit dem Mietwagen geht in Richtung Hania an Iraklion vorbei mit einem Abstecher nach Rethimno, in der es einen schönen venezianischen Hafen gibt. In Rethimno versuche ich meine Tochter Janine anzurufen, denn es ist Sonntag, aber sie ist schon nicht mehr zuhause, obwohl es gerade erst 9 Uhr durch ist. 

Die Straße nach Hania ist sehr gut ausgebaut. Man kann fast auf der gesamten Strecke den tollen Blick auf das Meer bewundern und hat auf der dem Meer abgewandten Seite einen Blick auf das Gebirke Lefka Ori mit einem Gipfel von 2453 m. Der Gipfel ist schneebedeckt und bezaubert den Touristen im Spiegel der Sonne...

Hania ist eine sehr schöne Stadt mit ebenfalls einem venezianischem Hafen und Cafeterrassen. Die Geschäftsstraßen bieten Abwechslung und buntes Treiben inmitten von alten Häusern, Kirchen und Burganlagen. Es ist eine europäische Architektur, ganz anders als im gar nicht so weit entferntem Tunesien.

Eine Bergfahrt am anderen Morgen in Richtung Süden bietet dem Kretatouristen ein völlig anderes Bild. Kleinere Städtchen wie Kasteli und Ano Vianos weisen sofort auf die Abgeschiedenheit hin. Ganz zu schweigen von den kleinen Dörfern, die einfache aber saubere Häuser mit praktischen Bauten für Viehhaltung und das Leben in Bergdörfern erkennen lassen. Ab und zu sieht man ein Gefährt mit Motor oder Esel, womit Händler oder Bauern ihre Waren transportieren. Die Vegetation ist teilweise sehr spährlich. Die Straßen sind schlecht, eng und abschüssig ohne Randbegrenzung, teilweise sogar sehr gefährlich.

Die Südküste ist vom Touristenrummel relativ verschont geblieben, an der Küstenstraße in Richtung Ierapetra gibt es nur wenige Möglichkeiten für Einkauf und Geselligkeit, dafür hat man einen phantastischen Blick auf das Meer und die Stille und Ruhe der Abgeschiedenheit.

Ierapetra dagegen ist eine sehr schöne Stadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, alten historischen Bauten, einem kleinem Hafen und Seeterrassen, an denen man vorzüglich speisen kann. Die Straßen der Stadt sind neu und ordentlich gebaut, es gibt sogar einen Boulevard zum Bummeln, Springbrunnen usw.
Die Küstenstadt im Norden, Agios Nikolaos, ist eine Stadt, die sich auf den Tourismus eingestellt hat. man kann Schiffsfahrten unternehmen und zum Beispiel auf die ehemals zur Isolation von Lebrakranken benutzte Insel Spinalonga fahren. Auch Agios Nikolaos hat einen venezianischen Hafen, der sich sehen lassen kann. Die Stadt hat ein paar steilere Bergstraßen.
Ein Ausflug in die Lasithi-Hochebene bringt einen Mietwagen so richtig auf Trab. Lange kurvenreiche Straßen ziehen sich bis in das Hochland am Fuße des Dikti-Gebirkes mit 2148 m hohem Berggipfel. Das Hochland ist vol von Windmühlen, deren Flügel mit weißen Tüchern bespannt sind. 

An manchen Hängen auf dem Weg zur Hochebene gibt es Restaurants, von deren Terassen aus man in die weite des Landes schauen kann. Auf der Hochebene selbst gibt es ein Dorf Psihro, welches an einer Grotte gelegen ist. Diese Grotte soll die Geburtsstätte des Zeus gewesen sein und Massen von Touristen pilgern dorthin. Vor der Grotte lerne ich ein Mädchen kennen, die mit zwei etwas älteren Dämchen unterwegs ist und auch einen Mietwagen fährt. Ich soll sie zusammen mit ihren Begleiterinnen fotografieren, wir kommen ins Gespräch und irgendwie finden wir uns sympatisch, lachen viel und ich bin froh, dass Sandra nicht mitgekommen ist...

In Iraklio, der Hauptstadt der Insel mit dem Flughafen, gibt es eine Art Fort mit riesigen Befestigungen. Die Stadt ist nicht besonders sauber, die Straßen sind eng und überfüllt.

Von Iraklio aus kommt man bequem nach Honos (Knossos), eine der ältesten Königsstätte mit Hochkultur, die über 6000 Jahre alt ist. Man kann die Ruinen alter Tempelanlagen betrachten, die keinerlei Befestigung zum Umland als Schutz gegen Feinde vorgesehen hat.

Eine Woche Kreta ist sicherlich nicht gerade viel, aber man kann die Insel flüchtig durchstreifen. Es lohnt sich auf jeden Fall auch nur eine Woche.

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letzte Änderung am: Sonntag, 13. Februar 2000