Kenia Am Flughafen in Berlin fragt man mich: "Ist das ihr Computer?" auf meinen
Notebook weisend. Ich antworte natürlich und bekomme sofort zu hören: "Na
dann kommen sie mal mit!" Nun muss ich meinen Notebook aufmachen und die
Tastatur wird abgesaugt. Der Bedienstete schreibt noch irgend etwas auf und dann
kann ich endlich gehen.
Der Flug verläuft normal, nur dass ich einen ziemlich hohen Puls habe und
Magenbeschwerden wie schon in den vergangenen Wochen. Ich vermute, dass mein
Herz nicht besonders erfreut auf die Lariam-Tabletten reagiert.
Der Sonnenaufgang und vorher schon das Überfliegen der Lichtermeere fasziniert mich wieder
gewaltig. In der Nacht überfliegt man kleine Lichtpunkte, die für andere das
Zuhause, das Wichtigste vielleicht ist, was sie überhaupt haben.
Den Flug selbst kann man über einen Monitor verfolgen (Service). Ein Computer
berechnet die jeweilige Position, zeigt sie als Flugzeug auf einer Karte mit den
wichtigsten Städten und informiert in Deutsch und Englisch, welche Flughöhe,
welche Fluggeschwindigkeit über Grund und welche Flugzeit bis zur Landung noch
verbleibt.
Kurz vor der Landung wird eine kleine Äquatortaufe durchgeführt und der Pilot
lässt das Flugzeug etwas wackeln, da ja so ein Übergang nicht reibungslos vonstatten
gehen kann.
Kenya aus der Luft ist zwar etwas ungewohnt, es soll mich aber noch stärker treffen.
Nach der Landung entdecke ich die dritte Welt, denn meine Vorstellungen waren
einfach andere gewesen. Zwar wusste ich, dass es hier nicht wie in Miami auf dem
Flughafen sein würde, aber ich dachte zumindest an Standart an diesen wenigen
Stellen im Land. Wenn man schließlich die Hotelprospekte sieht...
Die Zollkontrolle ist ein Witz. Ich gehe zum TUI-Schalter, das eine kleine
Holzhütte vor dem Flughafen'gebäude' ist. Dort erfahre ich in deutsch, wie es
weiter geht, wo ich mein Geld tauschen kann und wo unser kleiner Safaribus
steht.
Mit dem Bus fahren wir zu 8 Personen (alles Deutsche) in Richtung Nairobi auf einer
Teerstraße. Was ich an den Straßenrändern sehe, entsetzt mich. Die Armut hier
übertrifft in ihrer Realität meine Vorstellungskraft von zuhause. Die Menschen
leben in irgendwelchen Hütten, die in Europa nicht einmal als Schuppen
Verwendung finden würden. Die Gegend kommt mir unendlich trostlos vor und es
scheinen unüberbrückbare Abgründe zwischen uns Touristen und den Bewohnern
hier zu bestehen.
Zumindest das Klima ist ganz nach meinem Geschmack und tut mir unendlich gut. Es ist
schwül und warm. Natürlich habe ich mich schon lange nicht mehr gewaschen und
fühle mich nicht besonders sauber, aber sonst geht es vorwärts, das heißt
mein Puls geht langsam runter und mein Magen wird geradezu liebevoll in seinem
Bitten um Nahrung. Vielleicht hat sich ja auch wieder einmal nur die Angst in
meine Gesundheit eingeschlichen und Schaden vorgetäuscht?
Wir rasen auf der linken Seite dieser besten Straße um Schlaglöscher ausweichend
und Kontrollposten mit Nagelbrettern fahrend nach Westen in den
Ost-Tsavo-Nationalpark. Hier bekommen wir zum ersten Mal Gazellen, Giraffen,
Affen und Strauße zu Gesicht und vor die vielen Videokameras aus der 1. Welt.
Das Elend haben wir hinter uns gelassen und vergessen. Die Natur ist herrlich.
Das, was wir schon lange nicht mehr haben, holen wir uns nun von hier und
schimpfen die Ureinwohner vielleicht noch, dass sie schon soviel kaputt gemacht
haben.
Genau wie im Flugzeug finde ich auch im Safaribus schnell Anschluss. Mit ein paar
Leuten verstehe ich mich ganz gut. Gegen Abend fahren wir ins Crocodile-Camp, wo
wir übernachten sollen. Noch einmal trifft mich fast der Schlag, aber es klingt
schnell ab, denn hatte ich vor einer Stunde am See, bei dem wir rasteten, noch
mächtig Angst vor Schlangen, Spinnen usw., merke ich, dass diese Angst langsam
abklingt. Es bleibt mir ja auch nichts weiter übrig, denn ich muß allein in
einen Zelt mit drei Liegen, einer Art Dusche, einem Deckel mit Wasserspülung
und einer Kommode mit Spiegel, die in jedes Schlafzimmer, nur nicht in dieses
Zelt passt, schlafen.
Nicht genug damit, ich dusche freiwillig in dieser miefigen Ecke mit dem rotbraunem
Wasser und meinem Clif-Duschgel...
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Mir geht es gut. Ich finde sogar eine Steckdose, an der ich meinen Akku für die Kamera aufladen kann; welch Luxus und mache mit meinen neuen Freunden Witze. Wir haben viel Spaß und das Abendessen schmeckt wirklich prima, auch wenn keiner weiß, was es ist. Wir beschließen die Krokodile zu zählen... |
Ich muss Bilanz ziehen für den heutigen Tag, und stelle fest, das zwanzigste Jahrhundert ist hier unten vorbeigegangen. Ich wusste zwar, es würde so ähnlich sein, aber die Realität ist immer noch die der alten Filme von Afrika und ausgerechnet ich bin hier und mittendrin im Busch. Es ist mir aber keinesfalls unangenehm, es ist auch nicht unannehmbare Gastlichkeit, nur einfach etwas überraschend. Bei der Armee habe ich ja schließlich auch einiges kennen gelernt, aber das war wohl schon etwas lange her, Janine ist ja auch schon wieder vier Jahre alt...
Die Bedienung und das Essen waren wirklich ***-Klasse, nur gibt es halt keine richtigen Gebäude, alles ist irgendwie offen.
Am zweiten Tag gibt es zeitig Frühstück und das schmeckt sogar noch einigermaßen. Die Affen kommen bis zu uns. Dann geht es gleich auf Safari in den East-Park, wo wir Schwierigkeiten haben, da es die ganze Nacht geregnet hat und der Boden sehr aufgeweicht ist. Schließlich müssen wir ganz raus, da wir festsitzen. Eigentlich ist es ja verboten auszusteigen, aber nun gelten andere Gesetze. Wir versinken fast im Schlamm, unsere Kleider sind schmutzig und die Sonne brennt wie wild. Das ganze Gepäck müssen wir rausräumen. Der Safaribus, mit dem wir fahren hat kein Allradantrieb, sondern nur Hinterachsantrieb und läuft zudem noch heiß. Der Kühler gibt plötzlich massenhaft Dampf frei und wir suchen lieber das Weite. Der Bus beruhigt sich wieder. Nach einer Stunde kommt ein anderes Fahrzeug. Wir haben indessen unseren Bus wieder flott. Das folgende Fahrzeug gelangt aber auch in den Schlamm und wir brauchen wiederum eine Stunde...
Mittagessen bekommen wir in einem guten Restaurant mit Swimmingpool und relativ guter
Ausstattung. Noch einmal geht es weiter auf matschigen Wegen ungefähr 150 km in
Richtung Kilimandscharo. Trotz stärker werdender Bewölkung sieht man den riesigen
Berg über die Wolken hinausragen. Seine Kuppel ist natürlich schneebedeckt. In
der Kimana-Lodge hier am Fuße des Kilimandscharo befinden wir uns in
Maasai-Gebiet. Die Maasai sind sehr stolz und tragen viel Schmuck. man darf sie
aber nicht fotografieren (ohne ihre Erlaubnis). Sie leben meist in Lehmhütten.
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Die Kimanalodge ist ein sehr schön angelegtes Bungalowsdorf, in dem wir zwei Nächte übernachten werden. Es ist fast europäisch in der Ausstattung und für die Kenianer mit Sicherheit High-Class. |
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Am 3. Tag geht es am Fuße des Kilimandscharo entlang zum Amboselli-Nationalpark. Vor dem Eingang befindet sich ein Maasai-Dorf, das wir gegen ein Entgeld besichtigen und fotografieren dürfen. Zum ersten Mal betrete ich hier auch so eine Hütte, in welcher die Maasai leben müssen. Die Hütten sind aus Lehm und Stroh, klein, schmutzig und ärmlich ausgestattet. Ich filme alles genau, während ich die anderen sagen höre: "Fass bloß niemanden an!"... |
Der Amboselli-Nationalpark begrüßt uns gleich mit einer Elefantenherde, die gemächlich unseren Weg kreuzt. Wir sehen noch viele andere Naturschönheiten und essen in der Kilimandscharo-Lodge zu Mittag. Auch die Kilimandscharo-Lodge ist ein High-Class Anwesen und das Mittagessen bekommt von mir drei Sterne ***.
Ich sitze noch etwas in der Sonne am Pool, schreibe ein paar Karten..., es wird ruhiger..., und wir fahren zurück zur Kimanalodge 227 km südlich vom Äquator, 37 Grad 30 Minuten East und 2 Grad 27 Minuten Sued. 3700 Fuß über Null.
Beim Dinner wird einem die Serviette auf den Schoß gelegt, es steht immer jemand in der Nähe, bereit die Speisewünsche von meinen Lippen abzulesen. Die Teller sind vorgewärmt und werden vom Stuart nur mit Messer und Gabel angefasst. Das Essen schmeckt dafür nicht so besonders.
Die Fahrt heute steht ganz im Zeichen der heilen Reise, d.h. wir werden zeitig losfahren und kaum Tiere beobachten. Es gibt genügend Stellen, wo die Weiterfahrt mehr als beschwerlich ist und wir deshalb viel Zeit brauchen. Wir wollen ins Westermanns-Camp, wo unsere letzte Safari-Übernachtung ist.
Das Westermans-Camp ist an einem Felsen gelegen und macht einen guten Eindruck. Wir übernachten aber dennoch in einem Zelt.
Die Aussicht von diesem Camp aus ist einfach phantastisch. Man kann weit ins Land hineinschauen und die Berg- und Waldlandschaft bewundern. Es gibt große und schöne Kakteen, Akazien und natürlich viel Sonne...
Gegen Abend werden wir von Sicherheitsleuten mit Pfeil und Bogen bewacht. Sie bleiben die ganze Nacht und laufen Patrouille. Wir setzen uns gegen Abend ans Lagerfeuer und werden bald darauf mit leckeren Fleischspießen bedacht, die sie am Feuer geröstet haben. Dazu gibt es Dampfkartoffeln und gebratenen Mais, sowie herrlichen Salat. Es schmeckt phantastisch und die Stimmung ist sehr romantisch. Zur Krönung des Abends ziehen Einheimische den Weg herauf und singen. Sie stellen sich vor das Lagerfeuer und zeigen uns ein kleines Musikprogramm mit ihren wirklich guten Stimmen. Bevor die nette Truppe wieder abzieht, spenden wir einen kleinen Beitrag und gesellen uns zu ihnen am Lagerfeuer. Dieses Westermann' s Camp ist von Deutschen gegründet worden und wird von einer deutschen Familie geleitet. Wir kommen ins Gespräch mit der Leiterin und sie erzählt uns, dass die Sicherheitsleute unbedingt nötig sind, da das Camp schon von Somalis überfallen wurde. Die kriegerischen Maasai dagegen verhalten sich ruhig. Acht Jahre lebt die Familie schon hier und fährt zweimal jährlich nach Deutschland. Die Maasai-Kinder, so sagt sie, müssten eigentlich, da in Kenya Schulpflicht besteht, zur Schule gehen, aber leider kommt es nur dazu, wenn der Stammeshäuptling es erlaubt. Die Maasai sind sehr gepflegt, obwohl sie in so schmutziger Umgebung leben. Ihre lange, stattliche Gestalt unterstützt ihr stolzes Auftreten. Die Leiterin erzählt uns auch, das es für die Trockenzeit im Moment etwas zu feucht ist, aber ohne diesem Regen alles vertrocknet wäre und eine Hungersnot angestanden hätte. Wir acht Safariteilnehmer verstehen uns ganz gut. Wir sind ein älteres Ehepaar mit einem Sohn mit vielleicht 18 Jahren, ein junges Paar, ein Paar um die Vierzig und meine Wenigkeit. Wenn es anstand aus dem Safaribus auszusteigen und zu schieben, waren alle dazu bereit. Wir sind sogar so etwas wie eine dufte Truppe, wir gehen auch dann gemeinsam, wenn wir es nicht unbedingt müssen. Wir machen gemeinsam einen Spaziergang, gehen zur gleichen Zeit schlafen, sitzen also auch eine ganze Weile zusammen und quasseln, machen Witze...
Schade, dass wir uns nun trennen müssen, da die Safari nun vorbei ist und jeder in sein Strandhotel fährt. Wir verabschieden uns also und treffen uns zum Rückflug nach Berlin eine Woche später.
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Mein Hotel ist am Indischen Ozean gelegen. Die Zimmer sind sehr nett eingerichtet, Moskitonetze sind über dem Bett und das Bad hat Wanne sowie Dusche. Alles ist relativ sauber. In der Nähe sind zwei Swimmingpools, eine Snackbar und ein kleines Buffet. Der Speisesaal ist nicht weit und das Restaurant ist auch gleich um die Ecke. Es gibt Frühstück zwischen 7.30 und 10 Uhr, Mittag von 12.30 - 14.30, Kaffee mit Kuchen um 16.00 Uhr und Abendessen von 19.30 - 21.00 Uhr. |
Der Gesamteindruck ist positiv. Lange habe ich mich nach dieser Ruhe hier gesehnt, aber urplötzlich bin ich einsam. Besonders meine Kinder fehlen mir sehr.
Der Blick aus meinem Zimmer führt direkt zum Indischen Ozean. Irgendwo draußen brechen sich die Wellen am Korallenriff.
Meinen Pass und ein paar Wertsachen deponiere ich in einem Hotelsafe, der mich 75,-DM kostet. Auch andere Dinge sind hier gar nicht so billig. Die Hotelgäste sind zu schätzungsweise 90% aus Deutschland, aber irgendwie fremd. Ich habe bisher noch keinen kennen lernen können.
Am Strand kommen sofort Einheimische, bieten Schnitzereien, Tücher, Muscheln oder andere Dienste an. Sie sprechen unter Umständen gut deutsch, auf alle Fälle englisch. Im Fernsehraum des Hotels finde ich deutsche Bücher. Ich leihe mir einen utopischen Roman aus. Bei meinem Spaziergang sehe ich eine Kegelanlage, einen Tischtennisraum, einen Tennisplatz, zwei Volleyballplätze und eine Minigolfanlage. Ich habe seit 2 Tagen Bauchkneipen, mache aber meine Liegestütze und die Gymnastik sowie ein paar Dehnübungen für die Sehnen.
Der nächste Morgen ist sonnig und erfrischend schön. Mir geht es gut. Die Bauchkneipen lassen nach. Das Frühstück esse ich mit Appetit. Da die Sonne schon hoch steht, gehe ich in die Nähe des Strandes, bleibe aber hinter den Sicherheitsleuten, und lege mich auf eine Liege zum Sonnen. danach lese ich etwas in meinem aufregenden utopischen Roman und gehe im Swimmingpool schwimmen. Ich beschließe zum Riff rauszulaufen, da gerade Ebbe ist und die Flut erst in einer Stunde einsetzt. Es heften sich sofort zwei Einheimische an meine Fersen und führen mich. Ich bin froh darüber, denn ich weiß nicht, wie ich laufen soll. Sie zeigen mir Seeigel, Seesterne, Seegurken und verschiedene Korallenarten. Ich bin echt beeindruckt und bezweifle, dass ich alles alleine so gesehen hätte. Ich verabrede mich mit ihnen zum nächsten Tag, dann will ich auch die Videokamera mitnehmen und alles filmen.
Ich gehe mit gutem Appetit Mittagessen und nehme meine Malariatablette für diese Woche. Ich hoffe, dass sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten. Wieder im Hotelzimmer nehme ich mir mal wieder meinen Rechner vor und mache meine Eintragungen.
Ich fange an, meine Ruhe zu genießen. Die direkte Sonne meide ich jetzt, da auch ich es nicht übertreiben darf. Ich lese noch etwas in meinem Roman und gehe wie gestern gegen 16.00 Uhr zum Vesper.
Diesmal lerne ich ein paar Leute aus Bayern kennen, die mir ganz aufschlussreiche Informationen liefern können. Z. B. sind die 75 DM für den Safe nur als Kaution gedacht. Das Mieten des Safes selbst kostet nur 100 Schilling pro Woche, also etwa 4-5 Mark. Mit der Safari hatten andere auch mehr Glück als ich, denn sie haben größere Herden gesehen und vor allem auch Löwen und Leoparden. Ich bin trotz allem ganz zufrieden, glücklich und fühle mich wohl. Am Swimmingpool könnte Janine ganz toll spielen, denn das Wasser geht vom Flachen nur langsam tiefer.
Am Abend ist Barbecue mit Live-Band angesagt. Die Stimmung ist gut, denn die bunten Lampen, der Swimmingpool und dieser Geruch nach frisch gegrilltem Fleisch...
Ich kann stundenlang duschen, wenn ich es möchte, aber nur 200 Meter von mir entfernt ist Wasser etwas sehr kostbares, ich habe ihre Brunnen gesehen, ich habe gesehen wie sie leben und ich bin froh, dass ich auf der anderen Seite stehe. Wie leicht fällt man von einer Seite zur anderen? Welche Faktoren lösen das Fallen aus? Manchmal stelle ich mir schon vor, was wäre, wenn ich so weiterleben müsste, wie die armen Leute vor unserem Hotel. Fällt es mir nicht viel zu leicht, mich hier wohl zu fühlen und das Elend zu vergessen? Ich bin wie jeder andere Tourist ein Besucher dieses menschlichen Tierparks. Ich denke genauso wie sie, hoffentlich fassen sie mich nicht an, damit ich nicht krank werde...
Das ständige Warefeilbieten der Beach Boys geht mir auch auf die Nerven, es erinnert an die Vertreter zuhause. Gespielte Freundlichkeit für Geschäftsinteressen. Ich habe es noch nie gemocht, wenn man mir etwas vorspielt oder mit meinen Gefühlen geigt. Ich habe immer versucht Aufrichtigkeit zu belohnen, wann immer ich es konnte. Wenn wir mit unserem Safaribus an einer Tankstelle hielten, stürzten sie mit Holzschnitzereien auf uns zu, um sie uns zu verkaufen. Natürlich waren ihre Preise völlig überzogen, sie wollten uns über das Ohr ziehen. Ich habe Achtung vor ihrer Armut, aber wer lässt sich schon gern für dumm verkaufen. Das Holz ist zum Teil echtes Ebenholz oder Mahagoni. Was soll ich mit dem Plunder? Eine Frau, die ein Kind auf dem Arm trug, hatte einen Elefanten. Sie tat mir leid, denn sie war weit hinten und traute sich vielleicht nicht richtig an uns heran. Ich winkte ihr ermutigend zu, sie kam freudig etwas näher und ich wollte auch nicht lange mit ihr feilschen, aber der Busfahrer fuhr plötzlich los und machte mich richtig wütend, da er absolut nicht hören wollte. Den Elefanten wollte ich Janine schenken.
Hier im Hotel ist der Abstand zu draußen wirklich sehr groß. Das Gelände wird ständig bewacht. Nur der schmale Strandstreifen ist frei. Wenn man sich dorthin begibt kommen sofort Einheimische, denen es verboten ist, unser Hotelgelände zu betreten. Oft sitze ich noch in den Abendstunden (die Sonne geht ja zeitig und schnell unter) vor meinem Hotel und schreibe. man sieht mich natürlich, beim vorbeilaufen, sieht den Computer und fragt meist, ob ich denn auch im Urlaub noch arbeiten müsse. Ich sage, dass das Schreiben zu meinem Urlaub gehört. Der letzte, der mit mir sprach, fragte mich wörtlich: "Und hast Du schon mal eine gebumst?" Ich lies ihn die Frage noch zweimal wiederholen, weil ich wirklich nicht sicher war, was er meinte. Dann erklärte er mir, dass das auch Urlaub wäre und die Einheimischen wären gut. Ich wusste, dass er manchmal ein süßes schwarzes Mädchen mit ins Zimmer nahm und dachte es mir schon, hatte es aber nicht weiter beachtet. Es gibt für mich zwar kaum Tabuthemen, aber die käufliche Liebe lässt sich mit meiner Vorstellung von Liebe nicht so ganz in Einklang bringen und mir fehlen die Worte bei diesem Thema. Ein Mönch bin ich bestimmt nicht, aber ich möchte eine Frau erobern müssen. Die Ansichten des Freiers akzeptiere ich uneingeschränkt, denn ich habe gelernt, dass man das was andere für sich für Wichtig erachten schätzen und achten sollte. Auch wenn ich in Berlin die Nutten stehen sehe, verliere ich immer wieder Gedanken daran, wie schön sie sind, vielleicht auch liebenswert, aber ich glaube ich könnte nicht mit so einer Frau leben, wenn ich wüsste, was sie tut. Da sind krasse Widersprüche in mir und außerhalb schon in der Realität.
Der Strand ist hell und weiß, wenn auch nicht sauber. Wenn der Himmel blau und wolkenlos ist, die Sonne ihre Macht fühlen lässt, dann fange ich immer zu träumen an. Die Palmen, der Wind und der Geruch sauberer Meeresluft verzaubern mich. Ich fühle mich wirklich gesund und erfrischt. Vor dem Urlaub konnte ich nicht unbedingt behaupten, dass es mir riesig geht, da waren diese Magenbeschwerden und die Appetitlosigkeit. Von alledem kann keine Rede mehr sein. Das tropische Klima ist irgendwie heilend für mich. Die Sonne war es schon immer!
Bei Ebbe kann man bis zum Riff rauslaufen, bei Flut windsurfen oder paddeln. Ebbe und Flut wechseln derzeitig etwa aller 6 Stunden. Heute war ich auf einer kleinen Buschtour und habe mir die einheimischen Gewächse zeigen lassen. Ich habe leider vergessen den Akku zu laden und mußte sparsam damit umgehen. Limonen-, Zitronen-, Grapefruit-, Kochbananen- und Nussbäume habe ich gesehen. Die Tour war ganz interessant. In der restlichen Zeit lese ich, schreibe, treibe ein bischen Sport oder liege faul in der Sonne rum. Auch die Mahlzeiten sind für mich angenehm und eine willkommene Abwechslung. Man sieht, dass ich schon ganz gut in das Faulenzerparadies passen würde.
Die Kellner sind rot gekleidet, die Bedienung grün und die weiß Gekleideten fragen öfters mal nach dem persönlichem Wohlbefinden. Das Salz lässt sich kaum benutzen, da immer feucht, alles Knusprige hat eine kurze Lebensdauer, die Luftfeuchtigkeit ist einfach zu hoch. Die Butter liegt zwischen Eiswürfeln und die Salate unter Moskitonetzen.
Wenn es dunkel ist, kann ich wesentlicher schneller und länger laufen, als im Hellen. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich entsinne mich genau, dass das schon so war, als ich noch als Jugendlicher draußen herumgetollt bin und mit den anderen um die Wette gelaufen bin.
Wenn ich Janine manchmal so ansehe, dann denke ich, sie müsste jeden Moment zusammenbrechen, aber das Gegenteil ist wohl wahrscheinlicher, sie ist zäh und hat eine wesentlich stärkere Widerstandskraft als dickliche Mädchen. In ihr fließt doppelt gutes Blut...
An den Abenden versucht man im Hotel die Leute bei Laune zu halten. Es gibt entweder Tanz, Disco oder eine Show jeweils am Swimmingpool. Die Pool-Bar hat dabei bestimmt ganz guten Umsatz.
Mein alter Bekannter, ein einheimischer Junge von ca. 20 Jahren, der mich schon einmal zum Riff geführt hat, begleitet mich nun auch wieder, damit ich diesmal alles filmen kann. Ich gebe ihm 20 Schilling dafür, was nicht einmal eine Mark ist, aber er ist zufrieden. Andere haben für eine Führung zum Riff 500 Schilling bezahlt. Ich tausche später am Abend noch meine alten Sandalen und ein verschwitztes T-Shirt sowie 70 Schilling gegen zwei Holzelefanten ein. Für kenyanische Verhältnisse hat er natürlich ein Geschäft gemacht.
Am Nachmittag (heute ist der 23.01.) fühle ich mich ziemlich müde und abgeschlafft. Ich rede mit der TUI-Reiseleiterin und buche für 28 DM eine Stadtrundfahrt nach Mombasa für den kommenden Dienstag. Ohne, dass ich sie daraufhin anspreche erzählt sie von den Nebenwirkungen der Lariam-Tabletten und besonders in Verbindung mit der Sonne. Ich benutze weder eine Sonnenbrille noch eine Kopfbedeckung, aber dass ist noch nicht alles an Leichtsinnigkeit. Ich bewege mich allein und selbstbewusst außerhalb unseres Hotelgeländes in der Gegend herum. In solchen Momenten bin ich ja bekanntlich auch gesprächig und aufgeschlossen, finde also sowohl bei Einheimischen, allein als Weißer, als auch bei den Hotelbewohnern hier und auch in anderen Hotels Gesprächspartner. Leider habe ich etwas Durchfall, aber mir ist nicht übel und ich nehme es deshalb nicht so ernst, vermutlich habe ich etwas Falsches gegessen, was eigentlich nicht vorkommen sollte, da ich mich ausschließlich von dem ernähre, was man mir hier im Hotel vorsetzt. Für die empfindlichen Europäer ist halt doch nicht alles sauber genug...
Das eine Mädchen am Strand ist sehr schön, vielleicht nicht mal 18 Jahre alt, aber sie ist sexy und betreibt es als Gewerbe. Ich könnte sie fragen, warum sie das tut, aber ich weiß es ja eigentlich längst. Sie nutzt ihr Aussehen um zu einem winzigen Stück Luxus zu kommen, da sie keinerlei andere Möglichkeiten dazu hat. Ich habe noch nicht mit ihr gesprochen und ich habe sie auch nicht gefilmt. Eine andere käufliche Frau bietet mir an, kostenlos mit ihr mitzugehen. Das ist mir gleich wieder etwas zu billig...
Dieses Thema lässt mich wohl nicht los, solange mich Mädchen interessieren. Meine Angst vor Aids und anderen Krankheiten ist aber riesig groß und aus meiner immer spontan auftauchenden Aufgeschlossenheit erwächst auch immer schnell wieder Distanz und Reserviertheit.
Sollten meine Kinder diese, meine Eigenschaft geerbt haben, so hoffe ich, dass sie immer wissen, wann sie sich auf ihre Gefühle und wann auf ihre Vernunft verlassen sollen.
Es macht mir Spaß zu schreiben. Am 'A-Block' und an 'Ost' habe ich etliche Seiten weitergeschrieben. Leider habe ich das handgeschriebene Material vergessen mitzunehmen und kann an meinem Hauptroman im Moment nicht weiterarbeiten.
Die Sachen und Decken sind hier übrigens alle etwas muffig, sicherlich auch durch die hohe Luftfeuchtigkeit. Was einmal nass ist, trocknet folglich schlecht.
Ich habe ein älteres Ehepaar kennen gelernt, die zusammen mit mir zur Stadtbesichtigung nach Mombasa fahren werden. Sie sind erst vor kurzem angekommen und sehr nett. Ich habe ihnen einiges erzählt, da sie sich noch nicht so gut auskennen und sich etwas unsicher bewegen. Es ist aber auch nicht ihre erste größere Reise.
Trotz meiner heutigen Sportstunden fühle ich mich nicht ganz 'auf dem Posten', aber immerhin schon wieder etwas besser. Mein Körper ist durch die Sonne schon ziemlich gebräunt wurden, also sehe ich zumindest äußerlich sehr gesund aus. Meine Beine und Arme sehen so gut aus, dass ich mich in sie verlieben könnte, wenn ich eine Frau wäre. Zum Abendessen muss man im Hotel immer mit langen Hosen und ordentlichem Hemd erscheinen. Lange Hosen am Abend sind auch besser gegen die Moskitos.
In Mombasa selbst gibt es viele Eindrücke, dass es nur in Verbindung mit dem Film Sinn hat, Bemerkungen zu machen. Die Stadt ist sehr vielfältig und nirgendwo sonst sieht man so deutlich den Unterschied zwischen arm und reich. An Sehenswürdigkeiten gibt es eigentlich nur den Hafen, das Fort Jesus und die Altstadt. In der Holzschnitzerwerkstatt treffe ich zwei Bekannte von meiner Safari, die auch gerade eine Mombasa-Stadtrundfahrt machen.
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Die Holzschnitzerei ist sehr interessant. Von morgens acht bis abends sechs Uhr müssen die Arbeiter hier ihrem Gewerbe nachgehen. An einem mannshohem Holzelefanten arbeiten sie bis zu viert einen ganzen Monat lang. Ein kleiner Elefant kostet umgerechnet nicht einmal fünf Mark. Es wir wohl in etwa auf zehn Mark Wochenlohn bei den Arbeitern kommen, wenn überhaupt. Umgerechnet sind das etwa zweihundertfünfzig Schilling. |
Nach den Preisen kann man sich aber nicht richten, denn das, was Weiße
bezahlen, kann ein normaler Einheimischer unmöglich bezahlen.
Im Fort Jesus ist touristischer Hochbetrieb. Ich treffe auf eine Gruppe von ca.
17-21 jährigen Mädchen aus den Staaten und wir verstehen uns phantastisch.
Meine Englisch-Kenntnisse scheinen einzig und allein von meiner Motivation
abzuhängen. Das Fort selbst ist von den Portugiesen im 16. Jahrhundert
errichtet wurden und befindet sich in einem bedauerlich desolaten Zustand.
An den Markthallen treffe ich die Mädchen wieder, die sich genauso wie ich sehr
darüber freuen. Das Angebot am Markt selbst scheint mir nicht direkt alles
genießbar. Mir fällt auf, dass die Deutschen unter der einheimischen
Bevölkerung einen recht guten Ruf haben, Amerikaner, Briten und Franzosen
dagegen etwas (wenig) abfällig behandelt werden. In der Stadt kaufe ich einen
kleinen Malachit und bei den Holzschnitzern eine Miniaturstatue als Maasai,
beides ist in Europa nur zu Wucherpreisen zu haben. Einer bettelnden Frau mit
einem Kind und auch einem Blinden gebe ich je einen Schilling, ich habe keine
Ahnung, ob das Viel oder Wenig für sie ist.
Am Hafen warten die Arbeiter wahrscheinlich auf Gelegenheitsarbeiten. Man darf am
Hafen nicht fotografieren bzw. filmen. Es ist meist natürlich etwas ab- oder
aufzuladen und das erfolgt zum großen Teil mit Muskelkraft.
Durch das Klima bedingt kommt mir hier und da mal etwas bekannt vor, da auch in
Florida etwa ähnliche Temperaturen im Sommer herrschen. Die Klimaanlage unseres
Reisebusses bspw. erzeugt den gleichen Geruch, wie mein Mietwagen in den
Staaten. Einige Häuser sehen gleichermaßen aus, da sie weder Kälte noch Frost
die Stirn bieten müssen. Kokospalmen bieten obendrein ein gleichartiges Bild.
In Mombasa prägen natürlich hauptsächlich die Menschen das Bild. Als
besonders groß würde ich den indischen und arabischen Einfluss ansehen. Was
das sonstige Stadtbild betrifft, so spielen da wohl noch mehr Faktoren eine
Rolle. Zweifellos ist der britische Einfluss hier unverkennbar.
Im Prinzip würde ich jetzt sagen, ich habe genug gesehen, wäre da nicht die Weite
des Landes, die Maasai Mara, der Victoriasee und Nairobi. Vielleicht könnte man
hier sogar leben. Ein Häuschen am Strand mit Swimmingpool, Geländewagen und
einem kleinem Flugzeug, alles erschwinglich für einen aktiven Europäer. Da ist
aber noch das Gesundheits- und Schulwesen, die unbekannten Gesetze, die fernen
Freunde, selbst wenn die Familie mitziehen würde... Ohne Kinder ist auch dieses
Land ohne Sinn. Mein Organismus wäre durchaus hier in den Tropen lebensfähig,
wahrscheinlich gesünder als daheim, aber was tauscht man schon ein? Alle
Vorteile wird man mit Sicherheit mit Nachteilen erkaufen, von denen schon viele
ganz offensichtlich sind...
Zum Vesper suchen die Bayern wieder meine Gesellschaft. Das freut mich, denn ich
finde sie auch ganz nett. Wir reden über Kenya, machen gute Witze und
fachsimpeln über Bundeswehr und NVA. Es ist lustig und interessant. Fast
anderthalb Stunden geht unsere Schnasselei, dann ziehen wir uns alle zurück.
Ich lese in dem fünften Buch in diesem Jahr, damit ich es vor Abflug fertig
habe, denn es gehört hierher. Die Zeit vergeht hier wie im Fluge, obwohl da die
Zeit eigentlich auch nicht immer schnell vergeht...
Ich unterhalte mich mit einem Österreicher mit Wohnsitz in Düsseldorf, mit dem ich darüber
übereinstimme, dass die Maasai hier im Land mit ihren Lebensverhältnissen
nicht unzufrieden sind. Er erzählt in der Folge von seinem Bruder, der schon
mehr als zehn Jahre in Südafrika lebt und er gibt mir ein anderes Bild von der
Apartheit. Die Unterhaltung ist sehr interessant. Am Abend bereite ich die
aufgenommenen Filmsequenzen für einen späteren Schnitt auf.
Zwei unbekannte Mädels, die erst neu angekommen sind, uken mir nach. Da heute Abend
wieder Barbecue ist, hoffe ich, dass ich unbehelligt bleibe, da ich keine Lust
auf ihre Anmache einzugehen. Ein Mann aus Berlin, der mich schon am Nachmittag
angesprochen hatte, setzt sich mit seiner Frau zu mir und ich erfahre, dass er
im Bundesamt für Justiz arbeitet, seine Frau hat in Berlin ein
Friseurgeschäft. Wir unterhalten uns gut und amüsieren uns prächtig. Es geht
auch kurz wieder um 'Ossis' und 'Wessis'.
Sobald das Flugzeug die Grenzen Kenyas verlassen hat, werde ich dieses Kapitel wohl
abschließen, hoffe aber, dass neue Kapitel kommen werden...
Nun muss ich doch noch etwas hinzufügen, denn als ich am Flughafen in Mombasa
ankam, wurde gleich eine um fünf Stunden verspätete Abfahrtszeit angesagt, da
die Condor-Maschine wegen einer vereisten Startbahn in Hannover nicht starten
konnte. Das war natürlich etwas negativ Überraschendes, aber da ich die
Safari-Leute am Flughafen traf, wir gute Witze gemacht haben und noch einiges zu
essen bekamen, verging die Zeit relativ schnell.
Am Flughafen erfuhr ich auch von einem Ehepaar, das am Strand von Mombasa
überfallen worden war.
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letzte Änderung am: Sonntag, 13. Februar 2000