Die ägyptischen Pyramiden - Totengräber und Kultstätte für Götter

Alle Pyramiden dienten der religiösen Beisetzung der Pharaonen. Man kann den Pyramidenkult nur im Zusammenhang mit den dazugehörigen Bauten und in ihrer geschichtlichen Entwicklung verstehen. Da der Bau der ersten Pyramiden mehr als 4500 Jahre her ist (in Sakkara entsteht für Djoser die erste Stufenpyramide Ägyptens), ist die geschichtliche
Betrachtung etwas schwierig, zumal sich trotz der überlieferten Pyramidentexte (Pharao Unas lies als erster 2367 bis 2347 v. u. Z. - 5. Dynastie seine Pyramidenkammern beschriften) und anderer Schriften riesige Lücken feststellen lassen und die Interpretation der Überlieferungen Spielraum lässt.

Trotzdem kann man bestimmte Grundlagen als gesichert feststellen. Z.B. hat jede Pyramide einen oberen oder Totentempel an der Ostseite der Pyramide mit einem Opfertisch. Des weiteren gibt es mindestens eine kleine Nebenpyramide, wahrscheinlich als Grab der Königinnen. Es gab auch eine Umfassungsmauer, die beide Pyramiden und den oberen Tempel einschließt. Ein Empfangsbau oder unteren Tempel oder auch Taltempel gab es (oft an der Grenze zum Fruchtland), der mit einem Aufweg zum oberen Tempel führte. All diese Bauten dienten dem religiösen Totenkult vor, während und nach der Beisetzung.
 

Cheopspyramide


Die großen Pyramiden sind deshalb so bekannt geworden, weil sie so groß sind. In der Nähe von Cairo gelegen waren sie Anlass verwegenster Spekulationen. Die Größte ist die Pyramide des Cheops mit 280 Königsellen (146,72 m). Sein Nachfolger Chephren ließ eine Pyramide mit einer Höhe von 273,33 Königsellen (143,22 m) bauen (in der Nähe des Taltempels der Chephrenpyramide befindet sich der Sphinx) und dessen Sohn baute die Mykerinos-Pyramide mit 125 Königsellen (65,5 m) Höhe. Der Bau dieser drei großen Pyramiden fallen in die Zeit der 4. Dynastie (2639 bis 2504 v. u. Z.), wobei bereits davor Pyramiden gebaut wurden. Wahrscheinlich ist die Pyramidenform aus dem Königsgrab in Form einer Mastaba ohne Spitze entstanden. Religiöse Veränderungen im Hinblick auf das Aufsteigen des Pharaos ins Himmelreich und der Vereinigung mit dem Gott Re führte zur Forderung an die Götter eine Leiter oder Treppe zur Verfügung zu stellen. Gefunden wurden in Ägypten mehr als 60 Reste ehemaliger Pyramiden. Obwohl die Grabkammern fast immer gut geschützt waren (z.B. durch riesige schwere Fallsteine mit zum Teil komplizierten Mechanismen, die die Wege zur Grabkammer versperrten), wurden alle Pyramiden Opfer von Grabräubern, da den Pharaonen große Schätze beigelegt wurden, wie uns der Fund des Pharaonengrabes von Tutanchamun durch Carter mehr als tausend Jahre nach dem Pyramidenbau gezeigt haben mag. Dabei war Tutanchamun ein sonst nicht so bekannter Pharao (allerdings hat er nach Aton alle alten Götter wieder eingesetzt), er ist nur deshalb so berühmt geworden, weil sein Grab ungeplündert im Tal der Könige gefunden werden konnte.
 

Cheopspyramide

v. l. n. r. Cheops, Chephren, ein Tourist, Mykerinos


Nach den Vorstellungen des Sonnenglaubens im Alten Reich Ägyptens verbringt der Sonnengott den Tag am Himmel mit dem Sonnenaufgang als Chepre, zur Mittagszeit im Zenit als Re und am Abend bei Sonnenuntergang als Atum. Der Gott fährt dabei mit einer Barke am Himmelsozean. Nach der Lehre von Heliopolis gab es einen Urozean NUN, der aus eigener Kraft Re, den Sonnengott, schafft. Re bzw. Atum schafft ebenfalls aus sich selbst das Paar Schu (Luft) und Tefnut (Wasser), die die Kinder Geb (die Erde) und Nut (den Himmel) in die Götterwelt setzen. Diese wiederum setzen die Paare Osiris und Isis sowie Seth und Nephthys. Diese sieben bilden sozusagen das Pantheon von Heliopolis. Eingebaut wurde die Osiris-Legende, nach der Osiris der erste König von Ober- und Unterägypten war und von Seth ermordet und vom Thron gestoßen wurde. Osiris Frau Isis mit Hilfe von Nut und Anubis kann ihn wieder beleben, nachdem sie von ihrem toten Mann den Sohn Horus bekommt, der seinen Vater rächen will und im Kampf mit Seth ein Auge verliert, es zurück bekommt, es seinen Vater leiht und eine wichtige Rolle in der Legende spielt. Das Auge wird immer wieder Thema in den Pyramidentexten.
 

Chephrenpyramide

links der Sphinx vor der Chephrenpyramide, rechts die Mykerinos-Pyramide


Hieroglyphen gab es übrigens schon vor dem Bau der Pyramiden.

R. Sitter (2003)