Trotz des fehlenden Schlafes gehe ich meiner Gewohnheit folgend ins Meer baden, kläre einiges ab, besorge mir einen Hotel-Save und bummle noch einmal vor dem Abendessen in Richtung Norden auf der Hautstraße Negombos. Die Vielzahl der kleinen Geschäfte fällt mir auf. Viele Cylonesen sind sauber und hell gekleidet. Es ist zwar dritte Welt, aber dennoch anders als in Kenya. Es gibt fast alles zu kaufen, selbst hier in diesem Urlaubsdorf. Es sieht nicht gerade nach Wohlstand und Reichtum aus, aber ich fühle mich sicher und relativ angenehm überrascht. Mein Spaziergang ist völlig frei, ohne Angst, wie in Kenya, vielleicht aus genannten Gründen oder wegen der nun schon vorhandenen Erfahrungen. Mit meinem schlechten Englisch komme ich gut zurecht.
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Am folgenden Tag ist natürlich Erholung am Sandstrand angesagt. Das Frühstück ist amerikanisch und ich trinke diesen süßen herrlich schmeckenden Fruchtsaft. Ich nehme den Rechner mit zum Strand und erledige die Finanzen, das Tagebuch und arbeite etwas an meinen Romanen. Der Bummel danach führt mich zur Orientierung in Richtung Süden. |
Ich finde ein Post Office, wo ich tags darauf Katrin anrufen kann und finde Weggabellungen, die ich mir erklären lasse, um eine vollständige Orientierungsmöglichkeit zu haben.
Das Wetter ist übrigens erstklassig, d. h. es scheint die Sonne und ich muss aufpassen, dass ich keinen Sonnenbrand bekomme. Sonnenschutzcreme lasse ich wie üblich wieder mal ganz weg, da ich mich nicht den ganzen Tag in die Sonne knallen will. Bei meinem Nachmittagsspaziergang setze ich zum Sonnenschutz eine Schirmmütze auf. Ich entschließe mich eine Rundreise zu buchen und werde nach einer Woche Strandurlaub ins Landesinnere fahren.
Des öfteren weist man mich nochmals darauf hin, dass ich das Wasser aus der Leitung nicht trinken soll. Für mich eine überflüssige Bemerkung, da ich auch in Deutschland kein Leitungswasser trinke und mir hier sogar ein Mineralwasser gekauft habe, um mir damit die Zähne zu putzen.
Da wir von Preisen sprachen, die Frucht der Königspalme, deren Saft man trinken kann, kostet ca. 4 Rupien, das sind rund 35 Pfennige. Ein Mittagessen in einem guten Hotel mit 3 Gängen und Getränken kostet zwischen 5 und 10 Mark. Eine Suppe mit Toasts kostet weniger als 2 Mark. Ansichtskarten kosten zwischen 20 Pfennigen bis zu 1 Mark und das Porto nach Deutschland dafür 50 Pfennige. Eine Minute Telefonat nach Deutschland kostet 170 Rupien, das sind rund 6 Mark. Ein auf Seide gemaltes Bild in A4 Größe kostet 'from the Beachboy' und mit Handeln um ca. 10 DM. Das alles sind Touristenpreise, nicht das, was vielleicht einheimische zahlen und zahlen können.
Fast jeden Abend hat es geregnet oder sogar gewittert. Heute, an meinem dritten Abend in Sri Lanka gibt es ein starkes Gewitter und es gießt in Strömen.
Wenn ich mir im Meer zusehen könnte, würde mir wahrscheinlich himmelangst werden, denn das Salzwasser brennt in den Augen und beim Schwimmen komme ich so gut wie nicht vorwärts. Wie machen die das nur beim Ironman? Wenn ich einem Hai ausweichen müsste, wäre das wohl ähnlich, wie wenn ein Hase versuchen würde der Kugel auszuweichen, die gerade von 5 Meter Entfernung aus einem Gewehr auf ihn abgefeuert worden ist.
Immer wieder lenke ich das Interesse der Einheimischen auf mich,
weil ich entweder mit einem Computer am Strand sitze und schreibe,
oder weil ich mein Stativ aufbaue, um ein paar unprofessionelle
Videoaufnahmen zu machen. Ich habe nichts dagegen, das Interesse
auf mich zu ziehen, solange es sich in Grenzen hält, aber
was mich stört, ist, wenn man mich zuvorkommend behandelt,
weil man glaubt, ich hätte viel Geld. Viel mehr noch, ich
hasse es, wenn man mir deswegen den Stuhl zurechtrückt
oder sich irgendwie einkratzt. Natürlich mag ich es auch
nicht, wenn man mir die Taschen trägt, das habe ich noch
nie gemocht. Ich weiß, dass das von vielen hier der
Job ist und ihr Lebensunterhalt davon abhängt, aber ich bin
nicht mehr wert als sie, nur weil ich mehr Geld in der Tasche
habe, als sie. Das Problem belastet mich immer wieder und ich
versuche das Beste daraus zu machen. Ich gebe Trinkgeld, als wäre
es der Lohn für eine getane Arbeit und erhebe mich durch
die Entscheidung, wie viel ich gebe, zum Herrscher über die,
die es benötigen. Ekelhaft. Oft versuche ich mit den Angestellten
ins Gespräch zu kommen, man bittet mich um eine kleine Übersetzung
ins Deutsche und ich freue mich, ihnen helfen zu können.
Im Restaurant hier wie überall, lasse ich mich ja gern bedienen
und genieße es auch. Es ist der Job des Kellners und des
Obers, zu bedienen. Genauso ist es der Job des Kofferträgers,
die Koffer zu tragen oder des Strandjungen seine Aufgabe, die
Matten zu holen, wenn einer sich hinlegen will. Ich habe nichts
dagegen, ich mag nur nicht das Verhalten von einigen Reichen und
einigen Armen. Ich habe nicht die geringsten Probleme zu einem
Kellner aufzublicken und ihn in seiner Gewandtheit zu bestaunen,
aber ich habe Probleme die Werte eines Mannes zu erkennen, der
es sich leistet, einen Schatten mit sich zu führen, der ihm
im Notfall die Schuhe zubinden kann. Um es zusammenzufassen, ich
habe Achtung vor den Armen, die ihren Stolz bewahren und ich habe
Achtung vor den Reichen, die nicht vergessen, Mensch zu sein.
Der Wert dieser Menschen hat mit dem, was sie außerhalb
ihres Körpers besitzen, für mich nicht das Geringste
zu tun.
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Bevor ich die Blicke und das Lächeln eines einheimischen Mädchens bewerte, gehen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf. Wenn ich mir vorstelle, dass viele Frauen ihre Männer des Geldes wegen geheiratet haben, wird mir übel. Für mich ist das eindeutige Prostitution. Der Mann, der das ermöglicht, ob er es nun bewusst macht, weiß oder keine Ahnung davon hat, ist in meinen Augen eine armseelige Kreatur. |
Was er gekauft hat, mag für ihn schon einen Wert besitzen, tausende werden ihn bestimmt sogar darum beneiden, aber er hat sich selbst um etwas gebracht, was er sich nicht kaufen kann. Viele werden jetzt sagen, alles ist käuflich, es kommt nur auf die Summe an. Diejenigen vergessen die vielen Menschen, die für Ideen starben. Niemand hätte sie jemals kaufen können. Fast alles ist käuflich, doch es gibt den Stolz des Menschen, es gibt seine Selbstachtung und es gibt die Liebe. All das ist vergänglich, vergänglich wie das Leben selbst, aber nichts kann so vergänglich sein wie ein materieller Wert. Nun hängen wir alle mehr oder minder an materiellen Werten. Dagegen ist kaum etwas zu sagen, nur das Maß und die Bewertung kann den von uns selbst gesteckten Rahmen sprengen. Damit die Kontrolle über die Werte nicht zur Neurose wird, sollte man an das Gute im Menschen glauben, denn das es existiert, sieht man überall und zu jeder Zeit, wenn man es sehen will.
Meine Tour ins Landesinnere von Sri Lanka nach Kandy und Polunaruwa,
alten Königsstädten, beginnt sehr zeitig. Es sei noch einmal
daran erinnert, dass in den Tropen die Sonne sehr schnell
auf- und untergeht. Derjenige muss sich beeilen, der einen
Sonnenaufgang erwischen will. Mit etwas Verspätung fahren
wir von Negombo ab und bewegen uns in Richtung Osten nach Kandy.
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Auf dem Weg dorthin machen wir nach einer etwa zweistündigen
Fahrt halt in einem Elefantenwaisenhaus.
Hierher kommen Elefantenbabys, die ohne Mutter und Vater im Dschungel aufgefunden werden. Sie werden mit der Flasche gefüttert und das sieht sehr süß aus! |
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Auch auf einer Teeplantage vor Kandy schauen wir uns um. Die Arbeit ist hart und der Lohn ist mies. Einem Mädchen von dort gebe ich einen 100 Rupienschein, das sind vielleicht drei Mark und das Hundertfache von dem, was sie bekommt, wenn sie 1 kg Teeblätter aberntet (geschätzt). Dieses Mädchen hatte gebettelt und ich weiß, dass die Singalesen eigentlich sehr stolz sind. Hinzukommt, dass ich sie noch zum Betteln ermutigt habe. |
Wenigstens hat sie mit Sicherheit einen schönen Tag in ihrem Leben gehabt, denn es ist für sie, das muss ich noch einmal betonen, sehr viel Geld gewesen! In einer Messingkunstwerkstatt sehen wir, wie Schmuckteller und Dosen gefertigt werden und ich kaufe eine Kleinigkeit.
Das Programm ist umfangreich, wir fahren zum Botanischen Garten Kandy, schauen uns viele tropische Gewächse an und machen danach eine kleine Pause im Hotel 'Topaz', in dem wir dann auch übernachten werden. Ich nutze die Chance und schwimme ein paar Runden im Swimmingpool. Nachmittag fahren wir wieder in die Stadt in eine Edelsteinschleiferei. Hier hören wir einen Vortrag von einem Deutschen, der hier schon seit 10 Jahren lebt, über die Arten und die Gewinnung von Edelsteinen in Sri Lanka. Wir können sehen, wie goldene Ringe gefertigt werden und wie Edelsteine geschliffen werden. Natürlich können wir auch Edelsteine kaufen. An dieser Stelle sei mir eine zusätzliche Bemerkung erlaubt. Die Reiseunternehmen in der ganzen Welt haben in ihrem Programm sehr interessante Führungen. Natürlich regiert auch hier der Kommerz, d. h. es wird von den Firmen oder kleineren Betrieben eine Art Führung organisiert (wahrscheinlich kostenlos für das Reiseunternehmen), dafür bringt der Reiseleiter Touristen, die mit Sicherheit auch etwas kaufen. Das Funktionsprinzip ist also ähnlich dem, der Kaffeefahrten, natürlich teilweise auf einem sehr hohen Niveau. Ob Gut oder Schlecht, es funktioniert.
Die Führung durch die Edelsteinschleiferei finde ich sehr interessant. Von den Edelsteinen geht eine eigenartige Faszination aus, sie sind doch zugleich Symbol und Gegenstand für Reichtum und Macht.
Ein Bummel durch die Stadt bringt uns zum Zahntempel, das ist ein buddhistischer, sehr gut besuchter Tempel mit goldenem Dach und buddhistischen Mönchen.
| Ein Zahn Buddhas wird hier in einer Dagoba aufbewahrt und nur aller 5 Jahre offen für etwa eine Woche gezeigt. Wenn dies der Fall ist, dann stehen Menschenschlangen vor dem Tempel und schlafen auch dort, um eine Chance zu haben, an die Reihe zu kommen und den Zahn für wenige Sekunden zu sehen. Selbst, heute, als der Zahn verschlossen ist, brauchen wir fast zwei Stunden in diesem Tempel und sehen unter anderem auch noch über 600 Jahre alte Bücher. | ![]() |
Das ist aber noch nicht genug des Programm, denn trotz meiner Kopfschmerzen muss ich mir eine Veranstaltung ansehen, die traditionelle Tänze zeigt. Dazu wird getrommelt! Es ist schön, dass am Schluss Tänzer über glühende Kohlen gehen und ich auch das noch filmen kann, denn das ist das erste Mal, dass ich dies in Natura sehe. Das Abendessen im Hotel ist dann etwa gegen 22 Uhr beendet, ich gehe ins Bett und schlafe wirklich sofort ein!
Am nächsten Morgen ist 6 Uhr früh Wecken, 6 Uhr 30 ist Frühstück. Wir sind 7 Jungs und 7 Mädchen im Alter von 20 bis 30 Jahren und wir sind schon nach dem ersten gemeinsamen Tag eine dufte Truppe. Heute fahren wir als erstes in Richtung Norden. Den ersten Halt legen wir in einem staatlichen Kräutergarten ein. Man zeigt uns verschiedene Kräuter, vor allem auch bekannte Gewürze, Pfefferlianen, Zimt, Sandelholzbäume, erklärt uns deren Wirkung auf den Körper, läd uns zu einer Tasse Kakao mit dem Geschmack der roten Bananen ein, sowie zu Trinken einer Tasse Kräutertee mit Kardamon und vielen anderen Gewürzen. Wir bekommen einen Zettel mit Rezepten in Deutsch und können noch verschiedene Öle ausprobieren. Auch natürliche Aromen und Parfüme dürfen wir ausprobieren bzw. beschnüffeln. Der Vortrag im Kräutergarten beeindruckt mich stark, er ist in deutscher Sprache gehalten worden und ich habe ihn fast vollständig aufgezeichnet.
Der anschließende Besuch in einer Batikfirma ist ebenso interessant. Wir bekommen gezeigt, wie die Stoffe frei hand von einem Maler bemalt werden, wie diese Stoffe mit Bienenwachs getränkt und benetzt werden, damit die benetzten Stellen des Stoffes im anschließendem Farbbad nicht mit eingefärbt werden. Farben werden gemischt, indem man zwei Bäder hintereinander durchführt, natürlich mit verschiedenen Farben. Dabei kann zwischendurch wieder eine Benetzung von Stellen des Stoffes mit Bienenwachs erfolgen, um Farbmischungen an bestimmten Stellen zu verhindern. Die Farbgebung wird auch vom Maler festgelegt, er ist der wichtigste Mann in der Batikfabrik. Der Bienenwachs wird dann ausgekocht, die Stoffe getrocknet, gebügelt, genäht und zum Verkauf angeboten.
In Sri Lanka hängt man kleine weiße Fähnchen über die Straße, wenn jemand gestorben ist. Die Kinder gehen zur Schule, brauchen die Schule nicht bezahlen, bekommen eine Schuluniform (weißes Hemd bzw. Bluse, schwarze, weise Hose bzw. Rock) kostenlos im Jahr, auch die Schulbücher. Die medizinische Behandlung wird ebenso vom Staat bezahlt. Die Kinder bekommen Pflichtimpfungen. 87 Prozent der Menschen in Sri Lanka können lesen, damit steht Sri Lanka an zweiter Stelle hinter Japan in Asien. Die Menschen sind sehr sauber angezogen, von kleinem Wuchs und schöner, etwas schmächtiger Gestalt. Der Gesichtsausdruck ist europäisch. Viele Menschen hier betreiben Viehzucht, meist kleine Kühe, aber arbeiten auch im Straßenbau, in den Wäldern, auf den Teeplantagen (Sri Lanka ist Hauptexporteur der Welt), in den Edelsteinminen... und sind ständig am aggern, also sehr fleißig. Es gibt hier hauptsächlich Singalesen, dann Tamilen, aber auch Europäer. Die Religionen sind demzufolge auch unterschiedlich, am verbreitetsten ist der Buddhismus, aber auch Moslems gibt es, Hindus und Katholiken. Die meisten Autos und Motorräder, die hier fahren, sind japanischer Produktion.
Wir fahren weiter zum Höhlentempel in Dambulla. Hier stehen viele Buddhastatuen in Höhlen und man darf nicht filmen, sondern muss gleich wieder die Schuhe ausziehen... Hier lerne ich den Unterschied zwischen ausruhendem Buddha und dem, der ins Nirwana eingegangen ist. Buddha war ein König und Philosoph, es ist deshalb der Buddhismus keine richtige Religion, sondern ursprünglich mehr eine Philosophie, die allerdings das Nachdenken über bestimmte Themen als Nirwanaschädigend ansieht. Buddha wird nicht angebetet, denn er ist ja kein Gott. Man bringt ihm Opfergaben und sagt vielleicht noch: "Diese Blumen sind vergänglich wie alles was lebt o. s. ä..." Reliquien der Buddhisten werden in Dagobas aufbewahrt. Der Buddhismus geht von vier Wahrheiten aus, die besagen, dass das Leben aus Leiden besteht, dass das Leiden durch Begierden hervorgerufen wird, dass man diese Leiden nur aus eigener Kraft heraus beseitigen kann und der Weg dorthin (zum Nirwana) führt über acht Pfade, die ausführlichst beschrieben sind.
Dieser buddhistische Höhlentempel in Dambulla sieht beeindruckend aus, da ein weißes Haus unter dem Fels zu liegen scheint.
Unsere Reise geht zu dem berühmten Sigiriafelsen. Der Aufstieg ist mit sehr vielen Treppen verbunden und erst auf halber Höhe befinden sich im Fels die "Wolkenmädchen", gemalt auf die nackte Felswand. Der Aufstieg geht aber noch weiter und mir fällt es erstaunlich leicht, mit dieser relativ schweren körperlichen Belastung fertig zu werden und auch Höhenangst, die ich schon mal verspürte, ist überhaupt nicht vorhanden. Ich könnte mich in hundert Meter Höhe an den Abgrund stellen, ohne Angst. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es wird nicht immer so sein. Von unserer Gruppe bin ich mit Abstand der erste, ohne außer Atem zu sein. Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, auf den Felsen herumzuturnen, hundert Meter tiefer Abgrund und Dschungel vor den Augen. Die Treppen sind alt und verrostet, aber der Blick vom Sigiriafelsgipfel, dem ehemaligen Sitz eines singalesigen Königs, entschädigte jeden für seine Strapazen und für seine Angst.
Von nun an geht es in Richtung Hotel bei Polunaruwa durch trockenen Dschungel. Es fängt an, zu regnen und es gewittert, aber ich gehe trotzdem am Hotel angekommen mit einigen anderen erst einmal baden im Pool des Hotels, denn der Tag war wieder sehr heiß und man ist völlig durchschwitzt.
Das Hotel ist sehr gut, eine Übernachtung kostet ca. 50 US $ und das Essen ist erstklassig. Hier schlafe ich auch gut.
Am nächsten Morgen geht es schon wieder zeitig aus dem Haus, da wir uns die Ruinen des Königspalastes und der Tempelanlagen in Polunaruwa ansehen wollen. Hier in Polunaruwa finde ich auch Kollosalstatuen von Buddhas. Polunaruwa mit seinem 61. Grad östlicher Länge ist gleichzeitig der östlichste Punkt der Erde, den ich bisher erreicht habe.
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Heute geht es auch zurück in das Strandhotel und ich sehne mich schon nach Ruhe, Sonne und der Möglichkeit, auszuschlafen, denn die letzten drei Tage waren ganz schön gestreßt. |
Der Gewohnheit der letzten Tage folgend werde ich zeitig munter und ich entschließe mich noch vor dem Frühstück nach Negombo Town zu fahren. Es hat sich gelohnt, wie sich herausstellt, denn am Hafen ist ein Treiben, was selbst den Samstag Abend am Berliner Ku'Damm übertrifft. Tausende Leute bieten ihren frisch gefangenen Fisch an und ich fühle mich, als Landratte urplötzlich in das Fischerleben versetzt, der stolz seinen Fang nach Hause bringt und die oftmals schöne Frau muss den Fisch verkaufen. Erst viel später wird mir bewusst, dass es für mich romantisch ist, für die Fischer aber die nackte Überlebensgrundlage bedeutet. Die Fische, die da liegen, (keinen einzigen würde ich davon in the Town essen) ist Nahrung für die Menschen, die mich umgeben.
Am Nachmittag kaufe ich am Strand ein Ölgemälde, denn auch von meinem letzten Urlaub habe ich mir ein solches als Andenken mit nach Hause genommen. Das Fach, in dem ich meine "Mitbringsel" untergebracht habe, macht diesmal ein erstaunlich vollen Eindruck. Vieles lässt sich gleich als Weihnachtsgeschenk verwenden und obendrein ist einiges um ein vielfaches billiger als in Deutschland. Für eine Brieftasche aus echtem Büffelleder habe ich nur etwa 10 bis 12 Mark bezahlt.
Im Meer zu baden hat heute besonders viel Spaß gemacht. Die Sonne war zwar heute kaum zu sehen, das heißt aber nicht, dass man keinen Sonnenbrand bekommen kann.
Die Entfernung von hier bis zu Katrin, ca. 10 000 km, flößte mir heute für einen kurzen Augenblick Angst ein. Ich hatte mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich laufen müsste, um sie zu sehen. Selbst wenn ich es schaffen könnte, jeden Tag 10 Stunden zu laufen, würde ich länger als ein Jahr dazu brauchen. Am liebsten hätte ich sie heute angerufen.
Während meines Strandurlaubes in Sri Lanka habe ich Dithfurts "Innenansichten eines Zeitgenossen" genossen kann man fast sagen, denn er liegt mit seiner Lebensphilosophie fast voll auf meiner Wellenlänge. seine Erkenntnisse in den meisten Bereichen erheben ihn in meinen Augen in den Rang eines Albert Einstein. Freuds Theorien dagegen und "Die Semantik der Geschlechter" von Schmidbauer sind meiner Meinung nach böse weltfremde Ansichten. Ich räume der gesamten Psychoanalyse, die sich auf Freud stützt, nicht die geringste Bewertungsmöglichkeiten ein, auf gut Deutsch: Die Psychoanalyse in der Freudchen Form ist der größte Schwachsinn aller Zeiten. Der Erfolg der Psychoanalytiker liegt einzig und allein in der Tatsache, dass sich ihre Patienten öffnen und dadurch sich selbst weiterhelfen. Sein Innerstes nach Außen zu kehren erfordert meist viel Vertrauen und die Offenbarungen der Patienten ihren Psychoanalytikern gegenüber bringen vor allem bei Konstellationen verschiedener Geschlechter oft Gefühle hervor, die Abhängigkeiten und Sehnsüchten einer Liebesbeziehung gleichen bzw. sind. Dies gilt meiner Ansicht nach für alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Wird der "Beichtvater" den Erwartungen allerdings nicht gerecht, d. h. er respektiert die Offenbarungen nicht, bzw. der Offenbarte fühlt sich missverstanden, dann kann das ganze ins Gegenteil ausarten, d. h. der sich Offenbarte versucht größtmöglichen Abstand zu gewinnen, da er jemanden Geheimnisse anvertraut hat, bei dem sie möglicherweise nicht sicher, auf alle Fälle jedoch falsch gelandet sind.
Am Mittwoch habe ich in der Nacht schlecht geschlafen. Meine Gedanken kreisten im nachfolgendem Wachzustand um Katrin und ich konnte nicht wieder einschlafen. Erst nachdem ich meine Gedanken formuliert und aufgeschrieben habe, konnte ich wieder einschlafen. Statt 6 Uhr, wie eigentlich geplant, stand ich nun erst 9 Uhr auf, frühstückte und begab mich zum Bahnhof, da ich zwar etwas ängstlich, aber doch entschlossen mit dem Zug nach Colombo fahren wollte. Am Bahnhof treffe ich erleichtert mehrere weiße Touristen, die offensichtlich mit dem gleichen Zug fahren wollen. Viele Informationen sind ausschließlich in Singalesisch und für mich, an lateinische Buchstaben gewöhnt, notfalls noch mit kyrillischen Buchstaben vertraut, völlig unleserlich, gleichbedeutend mit Grafitty in der Berliner U - Bahn. Schon nach einem Halt steigen alle anderen Mitfahrer weißer Hautfarbe aus und ich bin völlig allein mit Einheimischen. Warum komme ich sofort auf den Gedanken, dass alle Weißen, vor allem unsere geistesgestörten Neonazis sich wenigstens einmal in derselben Situation befinden müssten?
In der Bahn kommen hintereinander zwei Bettler, dem ersten gibt niemand etwas und dem zweiten geben fast alle etwas. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, dass der zweite Bettler diejenigen verflucht, die ihm nichts geben. Er ist unter Katholiken!
Vor Colombo komme ich mit einem Deutschen ins Gespräch, der ein halbes Jahr hier arbeitet und dann wieder nach Deutschland fährt. Das macht er schon eine Weile, immer im Wechsel. Sein Auto ist kaputt, er arbeitet im Norden und hat ein Haus mit Garten (500 DM Miete im Monat) in Colombo. Nun fragt er mich, wo wir sind und wann er aussteigen muss und ich sage es ihm, weil ich eine Karte habe. Er verarbeitet die Kokosnussschalen hier zu Granulat. Dieses Granulat wird zum Brikett gepresst, nach Deutschland geschickt, dort mit Wasser auf das 8 fache Volumen aufgeweitet und als Blumenerde verkauft. Ein gutes Geschäft. Die Fasern der Kokosnüsse werden übrigens von einheimischen ganz geschickt zu sehr stabilen Stricken verarbeitet. In Colombo nehmen wir uns zusammen noch ein Tucktuck und fahren ins Zentrum. Dort tauschen wir noch unsere Adressen aus und ich beginne meinen kurzen Bummel durch Colombo. Die Zugfahrt nach Colombo (35 km von Negombo entfernt) kostete mich übrigens umgerechnet nicht mal 30 Pfennige!
Am Bahnhof in Colombo bei der Rückfahrt treffe ich ein deutsches Mädchen aus Stuttgart, die ebenfalls nach Negombo will. Da es nicht ganz so einfach ist, den richtigen Zug zu finden, lernen wir uns kennen. Erst nach fünf Minuten übrigens, als wir im Zug sitzen, der etwas schäbiger ist, als der Zug bei der Herfahrt, stellen wir fest, dass wir beide Deutsche sind und wechseln die Sprache. Englisch wird hier prinzipiell immer als erstes gesprochen. Dies ist nicht der erste Fall von Fehlkonstruktion in meiner Sprachkommunikation. Die Fahrt nach Negombo wird sehr interessant, denn wir verstehen uns gut und haben uns viel zu erzählen. Interessant ist vor allem, dass sie ganz alleine durch Colombo zieht und zwar schon die ganze Zeit mit Bus oder Bahn (Touristen benutzen entweder Taxis, Busse von Reiseunternehmen oder Mietwagen mit oder ohne Fahrer) und Unterschlupf in Pensionen findet, (also auch die allerunterste Klasse für Touristen) dafür aber wahnsinnig billig und vor allem landesnah!
In Negombo gehe ich noch etwas essen in einem Restaurant, das mir letztens ganz gut gefiel und in dem auch oft Deutsche speisen. Mir schmeckt es auch diesmal ziemlich gut und ich lerne einen pensionierten ZDF - Mitarbeiter mit seiner 21 jährigen Tochter kennen. Wir kommen über Videotechnik ins Gespräch und kaufen noch eine Flasche Arack (Selbstgebrannter), die wir dann auch prompt in seinem Hotel köpfen. Das Gespräch verläuft ziemlich nett und angenehm, aber als der liebe Herr Vater dann verschwindet, offenbart mir das Töchterchen, dass alles nur Show sei und er den lieben führsorglichen Vater spielt, der er in Wirklichkeit gar nicht ist. Ich sage ihr beiläufig einen kleinen Satz mit Katrin, sie reagiert prompt und die Fronten diesbezüglich sind schnell geklärt. Wir unterhalten uns noch weiter bis in den späten Abend, gut und in der Absicht uns noch einmal zu treffen gehen wir freundschaftlich und ich zum erstenmal nicht mehr ganz nüchtern in unsere Hotels. Am selben Abend unterhalte ich mich noch lange mit einem Hotelangestellten in englischer Sprache und mir fällt auf, dass ich mit der wirklich sehr geringen Anzahl von Vokabeln eine ganze Menge ausdrücken kann. Ob ich auch verstanden werde, weiß ich allerdings nicht. Also um es noch einmal etwas deutlicher zu machen, mein Englisch ist eigentlich so schlecht, dass es zu Himmel schreit, aber ich komme damit zurecht.
In den Tagen zuvor hatte ich mich übrigens viel mit einem schwedischen Gast unterhalten (auf Englisch - er war noch nie in Deutschland) und bei den etwa 10 bis 20 Gästen in meinem kleinen Hotel so gut wie gar nicht mit den Deutschen!
Ich stelle fest, dass mein Plan, die Rückfahrt betreffend einen Fehler enthält. Ich werde schon einen Tag früher in Berlin ankommen, als ich dachte, denn mit Zeitverschiebung wäre ich ja sonst fast zwei Tage im Flugzeug... Der Fehler entstand durch eine Bemerkung "Ankunft am darauffolgenden Tag", die beim Rückflug stand, aber für den Flug hierher galt.
Die letzten Tage gelten ganz meiner Entspannung. Ich bin jeden Tag am Strand und liege faul in der Sonne. Meine Gedanken sind bei Katrin und den Kindern. Da sie erkrankt sind, mache ich mir große Sorgen.
Der Rückfug über Abu Dhabi klappt prima. In Abu Dhabi kaufen viele Gold während unseres Aufenthaltes. Der Anflug auf Berlin ist herrlich, denn es empfängt uns ein Lichtermeer. Zumindest den größeren Umkreis von mir bringe ich zum Lachen mit der Bemerkung: "Nanu, bei mir zuhause brennt ja noch Licht!"
Karin holt mich ab, da Katrin ihr bescheid gesagt hat. Die Fahrt zu meinem Auto und dann nach Hause ist belastend und unschön, denn es regnet. Mir fällt ein, wenn ich jemanden in Sri Lanka erzählt hätte, dass in Deutschland manchmal wochenlang die Sonne nicht scheint, dann hätte er das mit Sicherheit für einen Witz gehalten.
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letzte Änderung am: Sonntag, 13. Februar 2000